Die Grünen Biel hegen Bedenken gegen das Projekt der bilinguen Schule in Biel

Die Grünen Biel erachten das Projekt für bilingue Schulen der städtischen Schuldirektion Biel als übereilt und den Zeitpunkt der Lancierung als verfehlt. In der vorliegenden Form werden grundlegende Zielsetzungen der Volksschule in Frage gestellt, wie etwa der gleichberechtigte Zugang zur Schulbildung für alle oder die Einschulung im Quartier. Durch das Projekt würde eine Schule der zwei Geschwindigkeiten eingeführt.

Zur allgemeinen Überraschung hat die städtische Schuldirektion ihre Absicht angekündigt, einen bilinguen Schulzug zu gründen. Das Projekt wurde via Presse und ohne vorherige Absprache mit den Organisationen der Eltern oder Lehrkräfte lanciert.

Die Grünen Biel wenden sich nicht grundsätzlich gegen die Aufgleisung von deutsch-französischen Bilinguismus-Projekten. Doch stellt sich die Frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist, da rund um die Volksschule derzeit nicht weniger als fünf grössere Projekte innerhalb von vier Jahren zur Realisierung anstehen. Dies sind namentlich die Einführung von Blockzeiten, die Tagesschule, Harmos und die Umsetzung des Integrationsartikels. Dazu gesellt sich in Biel die Einführung des neuen Schulreglements, welches das Gefüge der lokalen Schulstrukturen völlig neu regelt.

Alle diese Projekte – sollen sie sorgfältig und wirksam aufgegleist werden – führen zu beachtlichen Veränderungen. Dies gilt insbesondere für die Tagesschule und die Integration aller Kinder in die Regelklassen, um ihnen möglichst gute Chancen für die Zukunft zu ermöglichen.

Diese Anliegen lassen sich leider nicht auf das Projekt der Bilinguen Schule übertragen, obwohl es von derselben Schuldirektion entwickelt wurde. Denn diese Schule wäre denjenigen Kindern vorbehalten, welche „zum Zeitpunkt des Eintritts in den Kindergarten Deutsch oder Französisch perfekt beherrschen“, und sie würde von „speziell motivierten Lehrkräften“ geleitet.

Die Grünen Biel stellen also fest, dass die Schuldirektion offenbar nicht davon ausgeht, dass sämtliche Lehrkräfte sich heute mit besonderer Motivation und Engagement für die Entwicklung der Bieler Schulen einsetzen. Gravierender noch schätzen die Grünen Biel die Tatsache ein, dass die Auswahl der Kinder gemäss ihren Sprachkenntnissen zu einer Schule der zwei Geschwindigkeiten führen wird. Die gut integrierten Kinder und ihre Eltern haben die Möglichkeit der Schulwahl, die anderen nicht. Dies steht im Gegensatz zum Grundprinzip der Volksschule, wonach jedem Kind das gleiche Recht auf eine gute Schulbildung zukommt. Die Einschulung im Quartier, welche eine gute soziale Durchmischung und die Bildung von Freundeskreisen in der Nachbarschaft ermöglicht, würde als weiteres Grundprinzip ebenfalls umgestossen.

Indem man bestimmten Eltern die Möglichkeit gibt, zwischen Quartierschule und Bilinguer Schule auszuwählen, werden wichtige und grundlegende Errungenschaften unserer Volksschule in Frage gestellt.

Das Projekt der Schuldirektion widerspricht den anderen Schulprojekten, welche eine Stärkung der sozialen Strukturen beabsichtigen. Es führt zur Desintegration in der Volksschule und gegen den gleichberechtigten Zugang zur Bildung und steht damit unter Einfluss von Prinzipien, die bisher für die Privatschulen galten.

Aus diesen Gründen werden die Grünen Biel anlässlich der heutigen Stadtratssitzung in dieser Sache das Wort ergreifen und eine dringliche Interpellation deponieren.

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