Mehr Natur in der Stadt mit Citizen Science?

Überparteiliches Postulat von Urs Känzig.

Der Gemeinderat wird aufgefordert folgende Punkte zu prüfen und die Ergebnisse dem Stadtrat in einem Bericht zu unterbreiten:

  1. Wie kann Citizen Science im Bereich der Bieler Landschaftsplanung für die Kartierung von Arten und Lebensräumen eingesetzt werden?
  2. Wie kann Citizen Science eingesetzt werden, um die Bieler Bevölkerung für das Thema „Natur in der Stadt“ zu sensibilisieren?
  3. Wie können lokale und regionale Umweltorganisation in ein Citizen Science-Projekt „Natur in der Stadt“ eingebunden werden, um die Stadt bei der Umsetzung zu unterstützen?
  4. Was sind die fachlichen und finanziellen Vor- und Nachteile Citizen Science-Projekt „Natur in der Stadt“ gegenüber einem reinen Expertenauftrag?

Begründung

Die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum ist eines der Ziele in der Strategie Biodiversität Schweiz, die vom Bundesrat 2012 verabschiedet wurde: „Die Biodiversität im Siedlungsraum wird bis 2020 so gefördert, dass der Siedlungsraum zur Vernetzung von Lebensräumen beiträgt, siedlungsspezifische Arten erhalten bleiben und der Bevölkerung das Naturerlebnis in der Wohnumgebung und im Naherholungsgebiet ermöglicht wird.“ Im 2017 genehmigten Aktionsplan konkretisiert und bekräftigt der Bundesrat dieses Ziel.

Der Regierungsrat des Kantons Bern hat diese Bundesvorgabe in das kantonale Biodiversitätskonzept aufgenommen. Entsprechend hat er in diesem explizit ein Handlungsfeld „Lebensraumpotential für Pflanzen und Tiere im Siedlungsraum nutzen“ aufgenommen. Hier stehen gemäss kantonalem Naturschutzgesetz primär die Gemeinden in der Pflicht.

Damit leisten sie jedoch nicht nur einen Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität, sondern auch für eine gute Lebensqualität der Bevölkerung. Diverse Umfragen belegen, dass der Zugang zur Natur dafür entscheidend ist. Vor allem StadtbewohnerInnen bestätigen dort, dass ihr Quartier durch mehr „Natur“ attraktiver wird. Der Gemeinderat hat 2017 für die Aktualisierung der kommunalen Landschaftsplanung einen Kredit gesprochen. Mit diesem sollen diverse Grundlagen erhoben und der Landschaftsrichtplan „à jour“ gebracht werden.

Mit Citizen Science (Bürgerwissenschaft) wird im angelsächsischen Sprachraum eine Form der Offenen Wissenschaft bezeichnet, bei der Projekte unter Mithilfe oder komplett von interessierten Laien durchgeführt werden. Sie melden Beobachtungen, führen Messungen durch oder werten Daten aus. Die Überarbeitung der kommunalen Landschaftsplanung bietet die Chance, das z.B. in Bern bei der Kartierung der Stadtberner Flora erfolgreich eingesetzte Werkzeug „Citizen Science“ in Biel erstmals anzuwenden. Freiwillige und Schulen könnten unter Anleitung von Fachleuten die für die Aktualisierung der Landschaftsplanung notwendigen Kartierungen von Lebensräumen und Inventarisierung von (ausgewählten) Arten(gruppen) durchführen. Identifikation und Sensibilisierung für das Thema „Natur im Siedlungsraum“ könnte so verbessert werden. Es darf auch vermutet werden, dass so mehr Daten erhoben werden können, als alleine durch Experten (Kosten als limitierender Faktor).

Urs Känzig-Schoch, Grüne
Levin Koller, Juso
Julian Stocker, GLP

Postulat (pdf)